17.06.2010
Grosser Schlagabtausch am Albulapass

Was zeigt Fabian Cancellara auf der Köingsetappe?
Die Königsetappe von Meiringen nach La Punt wird den Rennfahrern alles abverlangen. Zur schwierigen Topographie kommt auch noch das schlechte Wetter dazu. Gibt es schon eine Entscheidung um den Gesamtsieg?
Viele grosse Namen bestreiten dieses Jahr die Tour de Suisse. Spätestens auf dem Weg vom Berner Oberland ins Engadin müssen nun alle Fahrer ihre Karten auf den Tisch legen. Der Kampf um den Tagessieg wird hartumkämpft sein. Im Gesamtklassement wird jedoch noch keine Entscheidung fallen.
Strecke: Quer über die Schweizer Alpen
Das sechste Teilstück von Meiringen nach La Punt ist die Königsetappe der Tour de Suisse 2010. Die Länge von 213 Kilometer und die Höhendifferenz von 4800 Meter machen dies deutlich. Gleich nach dem Start im Berner Oberland geht auf über 2200 Meter zum Hospiz des Sustenpasses. Nach der rasanten Abfahrt nach Wasen bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Über die steile Schöllenenschlucht geht es nach Andermatt und weiter auf den Oberalppass.
Bis nach Ilanz können es die Fahrer laufen lassen, bevor die unangenehme Gegensteigung nach Flims folgt. In Thusis beginnt die Strasse wieder anzusteigen. Spätestens in Alvaneu Bad müssen die Karten endgültig auf den Tisch gelegt werden. Nach Bergün warten die ersten Rampen des Albulapasses. Danach warten die härtesten 13 Kilometer der Tour de Suisse. In der Abfahrt in den Zielort La Punt werden grössere Rückstände nicht mehr wettzumachen sein.
Prognose: Keine Entscheidung um den Gesamtsieg
Für die schlechten Bergfahrer wird es ein ganz harter Arbeitstag. Für sie geht es darum, über den Susten und Oberalp den Kontakt zum Feld nicht zu verlieren. Werden sie hier schon abgehängt, werden sie den Kontrollschluss kaum schaffen. Fahrer, welche im Gesamtklassement weniger ambitioniert antreten, werden ihr Glück in einer frühen Fluchtgruppe suchen. Die Leadermannschaft HTC - Columbia um Tony Martin wird die Verantwortung im Feld übernehmen und schauen, dass sich relativ rasch eine nicht zu grosse Gruppe absetzt.
Für viele Teams stellt die Königsetappe ein äusserst wichtiger Test im Hinblick auf die Tour de France dar. Angesichts dessen wollen besonders RadioShack, Saxo Bank und HTC - Columbia ihren Kapitänen das Terrain zum Sieg ebnen. Am Albula wird es nicht mehr um einzelne Sekunden gehen. Die Abstände werden grösser sein. Doch die Entscheidung um den Gesamtsieg der Tour de Suisse wird nicht fallen. Die Tour kann man am Albula nicht gewinnen, jedoch verlieren. Der Kreis der Anwärter auf den Gesamtsieg wird massiv verkleinert.
Favoriten: Tony Martin - der Mann den es zu schlagen gilt
Der Leader Tony Martin zeigte auch an der Regenetappe von Wettingen nach Frutigen keine Schwäche. Sein Team ist äusserst stark und Martin machte in Frutigen klar: „Auf morgen haben wir nun fünf Tage hingearbeitet. Ich will den Sieg an der Tour de Suisse." Nichts spricht dagegen, dass der Deutsche, dessen Stern im letzten Jahr in der Schweiz erst richtig aufging, dieses Jahr den Gesamtsieg einfährt.
Die Gebrüder Schleck mit Jacob Fugelsang (Saxo Bank) und das stark besetzte Team RadioShack um Superstar Armstrong werden aber alles daran setzen, zumindest den Tagessieg in La Punt zu realisieren. Für Fabian Cancellara ist der Albula zu steil und zu lang. Der Berner wird 2010 die Tour de Suisse nicht gewinnen. Die Schweizer dürfen aber hoffen, dass Oliver Zaugg und Steve Morabito einen Exploit landen und sich in der Gesamtwertung weiter verbessern.
Von Christian Rocha